Armor

„Ich bin mir meiner Seele in deiner nur bewusst, Mein Herz kann nimmer ruhen, als nur an deiner Brust, Mein Herz kann nimmer schlagen als nur für dich allein. Ich bin so ganz dein eigen, So ganz auf immer dein.“

Waren das noch Zeiten, als wilde und doch edle Männer durch die Gegend herumstolzierten und mit lieblichen Worten auf ihren Lippen und einer Klampfe unterm Arm flehentlich um die Gunst ihrer großen Liebe warben.

Mit dem Zeitalter des Fortschritts revolutionierte sich die Partnersuche jedoch; die einstmals lyrischen Eisbrecher des 19 Jahrhunderts gingen unter und wurden durch liebevolle Kontaktanzeigen in lokalen Zeitungen ersetzt. Für 3 DM pro Wort.

„Jung gebliebene 60gerin sucht gleichgesinnten Herrn, der es sich leisten kann, auf eigene Kosten mit mir Freizeitaktivitäten zu unternehmen. Alter 58-63 Jahre“… ist nur ein Beispiel, welche die Komposition aus sinnlicher Liebesbekundung und einer Prise Pragmatik an dieser Stelle versinnbildlicht.

 

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Der Vorteil der Methode liegt auf der Hand und wird noch heute genutzt. Aber auch die Digitalisierung ermöglicht uns komplexere Umwerbe-Strategien mit höheren Erfolgschancen. So verliebt sich im Liebeselysium Paarship etwa alle 11 Minuten ein Einspänner und Akademiker müssen sich im „Knuddels für Singles mit Niveau“ nicht mehr den dumpfen Blicken raffgieriger Bäckereifachverkäuferinnen aussetzen.

Daneben bieten sich Beischlafbekundungsbörsen wie Tinder und dessen asozialeres Pendant Lovoo an. Mit philosophischen Gedankenkonstruktionen wie:

Real Dates/ No Fakes (*Daumenhochsmily)

Lebe! Liebe! Lache!

Oder

Männer, die nur aufs eine aus sind, können gleich wieder abziehen. Keine Lust auf One Night Stands. Thanks for Listening.(*Wundertütensmily)

weisen anstandsbehaftete Damen in ihren Profilen darauf hin, was sie von den männlichen Usern dieser Portale erwarten. Der Konter kommt zugleich mit eigenen Aussagen wie:

Hey meldet euch und mal schauen was sich ergibt (smily) bin schwul (smily)

Hallo. Wie geht es dir?

oder

Ich bin für Beziehung und Freundschaft offen (smily)

Das hohe Potenzial für ein genüssliches Zusammensein tritt hier offen zutage. Bleiben nur noch die Worte eines der größten Rammler in der deutschen Literaturgeschichte zu rezitieren:

„Laß dich, Geliebte, nicht reun, daß du mir so schnell dich ergeben!
Glaub es, ich denke nicht frech, denke nicht niedrig von dir. Vielfach wirken die Pfeile des Amor“

Johann Wolfgang Goethe

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