Monat: April 2016

PJ Harvey – The Hope Six Demolition Projekt

 

Eine feste Größe in der Postpunk-Szene ist PJ Harvey ja schon sehr lange, dementsprechend haben viele Fans ihr neues Album „The Hope Six Demolition Projekt“ schon sehnsüchtig erwartet. Und eines kann man sagen: Sie wurden nicht enttäuscht. Die Aufnahmen fanden im Somerset House in London statt und konnten öffentlich besichtigt werden. Herausgekommen ist eine Platte mit düsteren und melancholischen Tracks und abwechslungsreichen Musikelementen. Zwischen Chören, Saxophonen und E-Giarren verarbeitet Harvey so Erfahrungen aus ihren Kosovo- und Afgahnistanreisen.

Auf der Platte befinden sich viele coole und vor allem vielschichtige Tracks. Besonders gelungen sind dabei an verschiedenen Stellen Annäherungen zum Blues. Das hört man zum Beispiel sehr gut im Song „The Ministry of Social Affairs“.

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Die sozialkritische Intention des Albums versteht sich ja fast schon von selbst, hier werden vor allem globale Probleme in den Vordergrund gerückt. Dazu passt auch das Ende des Albums, das aus einem sehr melancholischen Song mit dem Titel „Dollar, Dollar“ besteht.

Fest steht: PJ Harvey zeigt auch nach ihren letzten großartigen Platten, was sie drauf hat, so dass auch dieses Album einfach nur empfehlenswert ist. Ich hatte auf jeden Fall eine Menge Spaß damit.

 

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Entwicklung in der Medienlandschaft geht weiter!

Groß, authentisch und Vielfältig – All diese Adjektive beschreiben den Zustand der deutschen Medienlandschaft sehr gut. Im Gegensatz zu den charakteristischen Formen von den Produktionen der 90er, gibt es heute eine Menge Qualität. Während sich unsere Eltern im Zeitalter der Telefunken-Röhrengeräte durch geistige Ergüsse von Britt Hagedorn oder Barbara Salesch inspirieren ließen, war mit der Agenda 2010 und dem Hartz 4 Gesetz auch für die nachfolgende Generation ein Weg geebnet, der die Erforschung neuer Formen der gesellschaftlichen und geistigen Vielfalt ermöglichte. War die hochgelobte Richterin in den archaischen Fernsehgeräten noch zu ertragen, sorgte die Entwicklung der HD-Auflösung für eine dramatische Veränderung in der häuslichen Wahrnehmung ihres Antlitzes. Barbara Saleschs erfrischender und schlagfertiger Ausdruck entpuppte sich als Trug und die Faltenanzahl ihres Gesichtes –Vergleichbar mit jener, die auch die Brunftkugel Alexander Gaulands verziert- kam zu Vorschein. Wie ein Freier seine Dirne wechselte der gesellschaftskonforme Bürger zu innovativeren Formaten wie „Familien im Brennpunkt“, „Die Trovatos“ oder „mitten im Leben“. Was der einst so erfolgreichen Richterin verblieb, war der Versuch einer Rückeroberung des öffentlichen Interesses durch die Literatur.

Als die unangefochtenen Fernsehstars der 90er Jahre langsam von der Bildfläche verschwanden und sich die Stimmung im Land der von Mascarapigmenten und Tränen beschmierten Visage eines hohlwangigen Topmodels anglich, ergab sich zugleich eine Chance.

Endlich ein Programm, das sich fernab psychoanalytischer Verfahren in Talkshows oder juristischer Abstraktionen einem niveauvollen Unterhaltungsauftrag annähern kann und dabei die Nähe zum Zuschauer wahrt.

Das Genre der Doku-Soap boomt. Der Ablauf von Sorgerechtsstreitigkeiten und Scheidungsprozessen wurde mit der Präsentation psychologisch differenzierter Verhaltensmuster und philosophisch ausgeklügelter Weltanschauungen verknüpft. Eine grandiose Entwicklung mit viel Potenzial.